Solaris
OT: Solyaris
RU, 1972
Regisseur: Andrei Tarkowski
Drehbuch: Andrei Tarkowski, Fridrikh Gorenshtein
Laufzeit: 165 Minuten
INHALT:
Der Psychologe Kris Kelvin wird auf eine Raumstation über dem Planeten Solaris geschickt, weil die Forschungsarbeiten stagnieren; es scheint Probleme an Bord der Station zu geben, die drei darauf befindlichen Forscher reagieren nicht oder nur unverständlich auf die Kontaktversuche der Erdbasis. An Bord der Station bemerkt Kelvin schnell, dass mit den Forschern so einiges nicht in Ordnung ist. Doch als dann noch seine seit zehn Jahren tote Frau auftaucht, fühlt sich Kelvin immer weniger als Herr der Lage...
FILMKRITIK:
Was eine Zweitsichtung doch so alles bewirken kann... Nachdem die Euphorie nach dem Schauen von Tarkowskis Stalker verflogen war, musste natürlich schnell Solaris her. Der Ersteindruck war dann aber doch überraschend ernüchternd, weil sich Solaris trotz des philosophischen Unterbaus als wesentlich weniger effektvoll als Stalker entpuppte. Zudem waren die vierzig Minuten, bevor es in den Weltraum ging, recht langatmig.
Heute habe ich den Film ein zweites Mal gesehen und wesentlich mehr mitnehmen können. Gerade der langsame Beginn zeigt eine Erde, bzw. ein System dahinter, das geordnet ist, trotz des wilden Naturells. Die Raumstation hingegen, obwohl von Menschenhand gebaut und von intelligenten Wissenschaftlern bewohnt, gleicht einem Tollhaus und ist völlig heruntergekommen, also chaotisch. Die Atmosphäre der ersten Viertelstunde im All ist überaus dicht und gespenstisch, wenn dann nach und nach die Protagonisten eingeführt werden, übt Solaris eine enorm anziehende, magische Wirkung aus und ebnet den Weg für einen psychologisch dichten Horrorfilm. Das letzte Drittel finde ich in dieser Hinsicht immer noch etwas enttäuschend, zu wenig effektvoll kommt es daher, die Geschichte verflacht, statt ihren Höhepunkt zu erreichen. Dafür entschädigt das famose Schlussbild, das noch einmal einen starken Eindruck hinterlässt und der Grund ist, dass ich mir Solaris sicherlich noch ein drittes Mal anschauen werde. Solaris ist mein zweitliebster Tarkowski.
8 von 10 Punkten.
PS: Die deutschen DVDs von Icestorm sind, aufgrund des fehlenden O-Tons, eher zu meiden.
PPS: Eine Frage hinsichtlich der Farbgestaltung habe ich: Anfangs ist der Film farbig, dann wird ein Video im Fernseher geguckt, das Schwarz-Weiß ist. Auch ein Video, das auf der Raumstation angeguckt wird (das vom "abstinenten" Wissenschaftler) ist in blaustichigem Schwarz-Weiß gehalten. Ein drittes Video (das mit Frau und Kind), dass sich der Protagonist auf der Raumstation anschaut ist allerdings in Farbe - warum?