Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Filmtiefen.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Freitag, 24. Juni 2011, 14:45

Solaris (1972)

Solaris



OT: Solyaris
RU, 1972
Regisseur: Andrei Tarkowski
Drehbuch: Andrei Tarkowski, Fridrikh Gorenshtein
Laufzeit: 165 Minuten


INHALT:

Der Psychologe Kris Kelvin wird auf eine Raumstation über dem Planeten Solaris geschickt, weil die Forschungsarbeiten stagnieren; es scheint Probleme an Bord der Station zu geben, die drei darauf befindlichen Forscher reagieren nicht oder nur unverständlich auf die Kontaktversuche der Erdbasis. An Bord der Station bemerkt Kelvin schnell, dass mit den Forschern so einiges nicht in Ordnung ist. Doch als dann noch seine seit zehn Jahren tote Frau auftaucht, fühlt sich Kelvin immer weniger als Herr der Lage...


FILMKRITIK:

Was eine Zweitsichtung doch so alles bewirken kann... Nachdem die Euphorie nach dem Schauen von Tarkowskis Stalker verflogen war, musste natürlich schnell Solaris her. Der Ersteindruck war dann aber doch überraschend ernüchternd, weil sich Solaris trotz des philosophischen Unterbaus als wesentlich weniger effektvoll als Stalker entpuppte. Zudem waren die vierzig Minuten, bevor es in den Weltraum ging, recht langatmig.

Heute habe ich den Film ein zweites Mal gesehen und wesentlich mehr mitnehmen können. Gerade der langsame Beginn zeigt eine Erde, bzw. ein System dahinter, das geordnet ist, trotz des wilden Naturells. Die Raumstation hingegen, obwohl von Menschenhand gebaut und von intelligenten Wissenschaftlern bewohnt, gleicht einem Tollhaus und ist völlig heruntergekommen, also chaotisch. Die Atmosphäre der ersten Viertelstunde im All ist überaus dicht und gespenstisch, wenn dann nach und nach die Protagonisten eingeführt werden, übt Solaris eine enorm anziehende, magische Wirkung aus und ebnet den Weg für einen psychologisch dichten Horrorfilm. Das letzte Drittel finde ich in dieser Hinsicht immer noch etwas enttäuschend, zu wenig effektvoll kommt es daher, die Geschichte verflacht, statt ihren Höhepunkt zu erreichen. Dafür entschädigt das famose Schlussbild, das noch einmal einen starken Eindruck hinterlässt und der Grund ist, dass ich mir Solaris sicherlich noch ein drittes Mal anschauen werde. Solaris ist mein zweitliebster Tarkowski.

8 von 10 Punkten.


PS: Die deutschen DVDs von Icestorm sind, aufgrund des fehlenden O-Tons, eher zu meiden.


PPS: Eine Frage hinsichtlich der Farbgestaltung habe ich: Anfangs ist der Film farbig, dann wird ein Video im Fernseher geguckt, das Schwarz-Weiß ist. Auch ein Video, das auf der Raumstation angeguckt wird (das vom "abstinenten" Wissenschaftler) ist in blaustichigem Schwarz-Weiß gehalten. Ein drittes Video (das mit Frau und Kind), dass sich der Protagonist auf der Raumstation anschaut ist allerdings in Farbe - warum?
Signatur von »Filmsüchtiger« Mehr als 1700 Filmkritiken zu Werken aller Genres und Jahrzehnte:
NEU: Eine Reise durch die Filmgeschichte

2

Freitag, 24. Juni 2011, 15:15

... interessant scheinen mir auch die unterschiede zwischen lem und tarkowski zu sein ... lem stellte in seinem buch etwas dar, was sich jenseits der menschlichen vorstellungskraft und vor allem jenseits aller menschlichen erklärungsversuche liegt ... alle formen der kontaktaufnahme mit dem "intelligenten" planeten scheitern ... tarkowski seinerseits nimmt lems buch - trotz aller inhaltlichen übereinstimmungen - von der endsequenz einmal abgesehen ... nur als grundlage, um darauf aufbauend seine ganz eigene geschichte zu erzählen ... tarkowski ist und war für mich immer ein suchender ... jemand, der seinen weg - an der kirche vorbei - zu gott sucht ... lem selbst war von tarkowskis film nicht besonders begeistert - zumindest wurde das nach seinem tod durch seine kinder verbreitet - vielleicht auch oder überhaupt, weil tarkowski mit solaris am ende seinen ganz ihm eigenen weg ging?

3

Samstag, 25. Juni 2011, 11:34

Auch ein Film, den ich lange nicht gesehen habe. Heutzutage bleiben mir vor allem Tarkovskys Bildkraft (Schlussszene) und die dort thematisierte Nostalgie in Erinnerung, die er aber aus meiner Sicht in Nostalghia noch überzeugender ergriff.
Signatur von »Jack_Torrance« Nur konsequentes Kino ist gutes Kino...

4

Samstag, 25. Juni 2011, 12:19

Auch für mich der zweitbeste Tarkowskij (zumindestens noch, nach einer Zweitsichtung von "Der Spiegel", welche bestimmt noch in diesem Jahr stattfinden wird, kann ich nichts versprechen). "Solaris" lässt seine Hauptfigur - ähnlich wie "Stalker" - sich von ihrer eigentlichen Umgebung möglichst weit entfernen, um schlussendlich zu sich selbst zu finden. Die tollen Schauspieler, die unbehagliche Atmosphäre, der psychologische Unterbau und das bereits erwähnte und auch in meinen Augen absolut großartige, erfüllend-verstörende Ende machen den Film für mich zu einem großen menschlichen Werk.

9/10
Signatur von »Teys«
Realität ist auch nur ein Bewusstseinszustand.

http://dmitrij-p.npage.de/

5

Mittwoch, 4. April 2012, 19:31

Erneut ohne Worte. - Heiliger Film. Hypnotisch. Einmalig von der Ausführung. Mit Worten unbeschreiblich. Gigantisch. Mysteriös. Ich bin schon wieder weggeflasht von dem Film. Ich war den Tränen nah in seiner Perfektion. Ich bau als nächstes erstmal folgendes Jahr einen Schrein für Tarkowsky und diesen Film. Freu mich schon auf anderen Werke.

9.5 / 10
Signatur von »Hoffman« www.drei-cineasten.blogspot.com/

6

Mittwoch, 4. April 2012, 22:08

@ Hoffman

Gibt es einen Film der bei dir Perfektion erreicht hat?

7

Donnerstag, 5. April 2012, 00:00

Gibt es einen Film der bei dir Perfektion erreicht hat?


Im Grunde müsste ich es rein im logischen Prinzip verneinen. Aber doch gibt es für mich diese filmische »Absolution« tatsächlich, auch wenn dies zweifelsfrei irgendwie blödsinnig ist wie auch an sich klingt. Aber für mich gibt es keinen (auf mich zugeschnitten) perfekteren Film als Scotts "Alien" oder gar Camerons "Aliens". Vllt. noch Kubricks "Shining" - So wie man sich einen Film vorstellt. Wo ich mir wirklich sage, hier stimmt alles - ok das gibt es auch bei Solaris . Doch ist es ein spezielles Gefühl, was ich mit Worten nicht fähig bin zu beschreiben. Sagen wir es so: Kino in seiner einzigartigsten Form.
Signatur von »Hoffman« www.drei-cineasten.blogspot.com/