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Dienstag, 18. Oktober 2011, 10:40

Der Todesengel (Maurizio Lucidi)



La Vittima Designata, Maurizio Lucidi, Italien, 1971, 105 min

Stefanos (Tomas Milian) Leben scheint an einem Scheideweg: Obwohl sein Herz schon lange nicht mehr seiner Frau gehört, ist er dennoch an sie gebunden, denn das Unternehmen in dem er erfolgreich tätig ist, gehörte einst ihrem Vater und wurde ihr von diesem vererbt. Nun möchte Stefano es gewinnbringend verkaufen. Da seine Frau jedoch ahnt, dass ihr Mann sie verlassen wird, sobald er durch den Verkauf finanziell unabhängig von ihr wäre, setzt sie alles daran, seine Pläne zu durchkreuzen.
Durch einen Zufall lernt Stefano unterdessen den Grafen Matteo (Pierre Clémenti) kennen, dessen vereinnahmenden Wesen er sich nur schwer entziehen kann. Matteo findet schnell Zugang zu Stefano und erkennt seine Probleme sofort. Nach einer Weile schlägt er ihm einen tödlichen Handel vor: den perfekten Mord. Er bringe Stefanos Frau um, wenn er im Gegenzug seinen Bruder töte. Als seine Frau tatsächlich ermordet wird, gerät Stefano ins Visier der Ermittler. Um seine Unschuld zu beweisen benötigt er die Hilfe des Grafen.


Mit inhaltlichen Anleihen bei Hitchcocks Stranger on a Train besticht Der Todesengel vor allem durch seine morbide Atmosphäre und das mitreißende Schauspiel seiner beiden Hauptdartsteller. Clémenti verkörpert den Grafen Matteo bizarr, pompös und intensiv. Sein unnachgiebiges Wesen drängt nicht nur Stefano zunehmend in die Enge, sondern vermag es auch auf den Zuschauer eine klaustrophobe Stimmung zu übertragen.

Milian verkörpert indes den Lebemann gewohnt charmant. Bereit zum Aufbruch aus seinem unbefriedigenden Leben wirkt er entschlossen und von wachsender Stärke. Schnell bemerkt er jedoch, dass er dem penetranten Grafen nur wenig entgegensetzen kann, so dass sich seine vermeintliche Dominanz immer mehr in eine unsichere Unbeholfenheit verwandelt.

Durch das triste Herbstgrau wirkt selbst die wundervolle Kulisse Venedig eng und bedrohlich und unterstützt die leise Spannung, die sich über den gesamten Film hinweg aufbaut und schließlich in einem aufregenden und zugleich ausweglos erscheineneden Finale mündet, während Regisseur Maurizio Lucidi auf spekulative Ausbrüche bewusst verzichtet. Damit ist ihm nich nur ein besonders ruhig inszenierter sondern gleichwohl höchst sehenswerter Beitrag zum italienischen Genrefilm, und zum europäischen Spannungskino insgesamt, gelungen.
Signatur von »perception« Okaeri

Mystery Man

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Donnerstag, 27. Oktober 2011, 17:14

Aus den ewigen Tiefen unzähliger Gialli und Poliziescos steigt 1971 dieses nur schwer einem der beider Subgenres zuordenbares Kleinod empor und beweist einmal mehr eindrucksvoll, dass ein italienischer Thriller ohne Actionszenen, blutigen Morden und viel nackter Haut trotzdem spannend und mitreißend sein kann. Auf elegante und eindringliche Weise erzählt Maurizio Lucidi in „La Vittima designata“ seine Geschichte und verzichtet dabei auf die üblichen Unterhaltungselemente, um alle Zeit den Figuren zukommen zu lassen und ihre Entwicklungen authentisch zu veranschaulichen. Das Ergebnis davon ist ein minütlich intensiver werdender Psychokrieg zweier Männer, die anfangs noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, welches durch ein Ereignis jedoch zerschlagen wird und sie fortan so lange um ihr Recht kämpfen, bis Worte bedeutungslos sind, nur noch Taten zählen und nach der letzten, schockierenden Einstellung dieses Bombardement auf die Nerven des Zuschauers endlich ein Ende findet. Allerdings fängt „La Vittima designata“ nach dem Abspann erst so richtig an, seine großen Qualitäten zu entfalten. Allein das finale Bild ist hierfür verantwortlich, stellt alles Vorangegangene nochmal in Frage und lässt verschiedenste Interpretationen zu, wer dieser von Pierre Clémenti so herausragend gespielte Graf Matteo Tiepolo denn nun ist und weshalb er den von Tomas Milian ebenso überzeugend dargestellten Stefano Argenti als seinen Spielball benutzt. Einfach unheimlich, welch fiese Gedanken dieser Film in meinem Kopf erzeugen konnte.

8/10


@ perception

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3

Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19:27


@ perception

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Ein schöner Text übrigens und es freut mich natürlich sehr, dass dir der Film gefallen hat. Da du mit dem italienischen Genrefilm schon wesentlich mehr Erfahrungen gemacht hast, als ich, war ich auf deine Meinung gespannt!
Signatur von »perception« Okaeri

Mystery Man

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Freitag, 28. Oktober 2011, 13:41

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